Hier finden Sie uns
Obere Husemannstr. 2
59423 Unna
02303 / 100 - 0
info(at)hospitalverbund.de

Vom Marienkrankenhaus zum ehrenamtlichen Einsatz nach Tansania

Zwei Mitarbeiter des Marienkrankenhauses haben schwerkranke Kinder in der Missionsstation Ifunda in Tansania medizinisch versorgt.

Kinder, die über Jahre mit schlimmsten Brandverletzungen klaglos (über)leben. Mütter, die mit ihrem schwerverletzten Nachwuchs im Tragetuch wochenlang unterwegs zu einem Arzt sind. Das alles haben zwei Mitarbeiter aus dem Marienkrankenhaus Soest bei ihrem Hilfseinsatz in Tansania erlebt. Der Plastische Chirurg, Dr. Denis Simunec, und die OP-Schwester Gabi Frerk-Westphal haben ihre Arbeit zwei Wochen lang in den Dienst der schwerkranken Kinder in der Missionsstation Ifunda, stellen dürfen.

Seine Arbeit sieht Dr. Denis Simunec nach seiner Rückkehr aus Tansania mit ganz neuen Augen. Nichts ist mehr so selbstverständlich wie vorher: „Eine Operation ohne Röntgenaufnahme, ohne großes Blutbild und ohne OP-Planung wäre hier überhaupt nicht denkbar. In Tansania mussten wir ohne diese Möglichkeiten auskommen, um den Kindern überhaupt helfen zu können.“ Dr. Denis Simunec und Gabi Frerk-Westphal führten im 13-köpfigen Team des „Hammer Forums“ schwierigste Operationen unter Umständen durch, die nach hiesigen Maßstäben unvorstellbar sind. Dennoch hat es funktioniert: 72 Kinder konnten erfolgreich operiert werden, in der Ambulanz wurden zudem 241 Patienten untersucht und behandelt. Hinter diesen Zahlen verbergen sich Schicksale, die den Soester Arzt tief berührt haben. So wie das eines Mädchens, das sich wegen einer schlecht vernarbten Brandverletzung rund um das Knie eineinhalb Jahre nur noch gehockt fortbewegen konnte. Über sechs Stunden dauerte die Mammutoperation. Jetzt kann sie wieder aufrecht gehen. Diese frohe Nachricht bekam Dr. Simunec per Brief von den einheimischen Schwestern vor Ort, die die Nachbehandlung übernommen haben. 

Sehr viele Kinder und Jugendliche, die in die Missionsstation Ifunda zur medizinischen Versorgung kommen, sind Brandopfer. Das große Problem in Tansania sind die offenen Feuerstellen in den Unterkünften. Sie sind ein großes Unfallrisiko für Kinder und Jugendliche. Manchmal geht es sogar tödlich aus. So hat ein 16-Jähriger Patient, den Dr. Simunec in Ifunda behandelte, alle seine Brüder bei einem Hausbrand verloren. Als einziger Überlebender der Geschwister kam er zu Dr. Simunec und zeigte ihm seine verbrannte rechte Hand. Sie war nur noch ein völlig zerstörter Stumpen. Etwas zu greifen, war dem Jungen nicht mehr möglich. Der medizinische Eingriff sollte diese Funktion wiederherstellen. Das Verhalten des Jugendlichen vor der Operation verwunderte die Ärzte und Pfleger zunächst. Er weigerte sich, seine Mütze abzunehmen und einen Handschuh auszuziehen, den er an der anderen Hand trug. Erst unter Narkose konnte ihm beides abgenommen werden. Darunter offenbarte sich ein erschreckendes Bild: Der Kopf war ebenfalls völlig verbrannt, verkrustet und eiternd, die linke Hand amputiert. Letztlich versorgten die Mediziner dann die verbliebene rechte Hand und den Kopf. „Dieser Junge ist ein Beispiel dafür, mit welcher Tapferkeit und Würde Kinder dort ihr schlimmen Verletzungen ertragen“, so Dr. Simunec. Inzwischen hat er seine Tätigkeit im Marienkrankenhaus wieder aufgenommen. Die Eindrücke aus Tansania werden ihn weiterhin begleiten. Vieles hat jetzt eine andere Relation bekommen: „Oft waren es hier Nichtigkeiten, wo ich dachte, das sind Probleme. Eigentlich waren es keine wirklichen Probleme, wenn ich demütig an Tansania denke.“ Nächstes Jahr hofft Dr. Simunec, den Kindern dort wieder helfen zu können.

Hintergrund:
Der Einsatzort dieser medizinischen Hilfsaktion, die Missionsstation Ifunda, liegt südlich der alten Deutschen Provinzhauptstadt Iringa. Dort hat das Ehepaar Monika und Horst Blaser mit viel Idealismus und Ausdauer mit ihrer eigenen Hilfsorganisation (Kinderhilfe Tansania für Klumpfuß- und Feuerkinder) und der Unterstützung der Diözese Iringa und des Staates ein Health-Center (kleinste Krankenhauseinheit) aufgebaut. Das deutsche Team wurde von vielen Patienten und insbesondere deren Müttern, die ihre kranken Kinder großenteils in Tragetücher gehüllt auf dem Rücken transportiert hatten, bereits erwartet. Hinter ihnen lag meist ein langer beschwerlicher Weg, zum Teil sogar vom 700 Kilometer entfernten Tanganjikasee. Etliche warteten tagelang auf Feldbetten oder Schaumstoffmatratzen auf die medizinische Hilfe.

Das Team des Hammer Forums unter Leitung von Kinderchirurg Dr. Gabriel Tewes setzte sich zusammen aus zwei  Anästhesisten, zwei Kinderchirurgen, einem Kinderorthopäden, einem Plastischen Chirurgen (Dr. Denis Simunec), vier Anästhesiepflegekräften, zwei  Instrumentierschwestern (eine davon Gabi Frerk-Westphal) sowie einer zuarbeitenden Ärztin und den Vor-Ort-Organisatoren Monika und Horst Blaser.